Ruanda Forum in Berlin

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Am 11. Dezember 2014 lud das deutsch-ruandische Jugendnetzwerk Ruanda Connection gemeinsam mit Engagement Global zu einer einmaligen Begegnung in Berlin ein. In der Landesvertretung Rheinland-Pfalz nahmen bis zu siebzig Gäste am Forum „Was können wir in Deutschland von Ruanda lernen?“ teil. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projekts Ruanda Lab 2014 organisiert.

Ziel des Projekts ist die Schaffung eines besseren Verständnisses über die Geschichte und gegenwärtige Entwicklung Ruandas. Das ostafrikanische Land wird in der Regel mit dem Völkermord von 1994 in Verbindung gebracht, der bis zu einer Million Menschen das Leben kostete.

Die Gastredner des Forums zeichneten ein anderes Bild von Ruanda: Zwanzig Jahre nach dem Völkermord gehört es zu einem der innovativsten Länder Afrikas. Es ist geprägt durch Frieden, Stabilität und wirtschaftlichem Aufschwung. Gerade im Umgang mit verschiedenen sozio-ökonomischen Herausforderungen beweist Ruanda innovative und zugleich traditionsbewusste Lösungsansätze aus denen Lehren gezogen werden können.

In ihrem Grußwort begrüßte Ruandas Botschafterin und Schirmherrin, Christine Nkulikiyinka, die Initiative über diese Veranstaltung eine Plattform für einen deutsch-ruandischen Austausch auf Augenhöhe zu schaffen. Ruandas Erfahrungen und Entwicklung würden auf diese Weise Wertschätzung erhalten. Botschafterin Nkulikiyinka erklärte auch den Hintergrund für den Erfolg des Landes in der Bewältigung seiner jüngsten Geschichte:

„Sicherlich lässt sich die Erfolgsgeschichte Ruandas auch damit erklären, eigene Ansätze gefunden zu haben, die besser verstanden und akzeptiert werden. Damit meine ich auch solche Ansätze, die sich viel besser für die Lösung von Problemen, wie sie sich vor Ort stellen, umsetzen lassen. In diesem Sinne ebnet die Aneignung traditioneller Elemente für innovative Lösungen auch den Weg hin zu einer nationalen Identität, die wir anfangs glaubten verloren zu haben.“

Zu den Referenten gehörten Elisabeth Bolda, Projektkoordinatorin bei Engagement Global für Berlin und Brandenburg. In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Innovative Nord-Süd Partnerschaften“ mit den jungen Engagierten Michael Kettel (Ejo-Connect e.V.) und Philipp Meller (Studieren ohne Grenzen e.V.) betonte sie die Notwendigkeit sich für andere Kulturen zu öffnen und anzuerkennen, dass Partnerländer einen wertvollen Beitrag leisten und relevante Erfahrungen mitbringen.

Mit Bezug auf Deutschlands Nachkriegsgeschichte sagte sie, dass der Begriff „Entwicklungsland“ nicht allein auf den Globalen Süden reduziert werden könne. Man sei sich hierzulande zu selten bewusst, dass auch Deutschland einen Prozess der Entwicklung hinter sich habe, so Bolda.

In einer weiteren Gesprächsrunde diskutierten die ehemalige stellvertretende GIZ Landesdirektorin für Ruanda Gudrun Rieger-Ndakorerwa, der erste Sekretär der ruandischen Botschaft Félix Sangano, Home Coach Daphrose Ndakoze und Start-Up Gründer Sangwa Rwabuhihi über die Frage „Was können wir in Deutschland von Ruanda lernen?“. Sangwa Rwabuhihi rief dazu auf anzuerkennen, dass in Ruanda genau wie in Deutschland eine Jugend existiere, die darauf warte mit Know-How gefördert zu werden, um die existierenden innovativen Ideen für die Lösung von gesellschaftlichen Problemen umzusetzen. Junge Sozialunternehmer brauchen vor allem globale Partnerschaften und Investition; Vorurteile stellen daher eine Barriere für den benötigten Austausch dar, sagte der Jungunternehmer.

Botschaftssekretär Sangano teilte mit, dass man in Ruanda selbst viel weiter sei und der Völkermord nicht mehr eine große Präsenz im Alltag der Menschen habe. Das Land nur mit dem Konflikt zu assoziieren, würde die vielen Fortschritte der Bevölkerung auf dem Weg hin zu Versöhnung und Frieden ausblenden, betonte der Botschaftsvertreter. Gudrun-Rieger Ndakorerwa schilderte aus ihren Erfahrungen als Landesdirektorin, dass das Land in den letzten zwanzig Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen habe, um Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten und die Armut zu bekämpfen.

Frau Ndakoze berichtete von ihren Erlebnissen als ruandischer Flüchtling in Burundi. Sie unterstrich die bedeutende Rolle von Kultur für die Bewältigung der Herausforderungen, mit denen Ruanderinnen und Ruander in ihrer Geschichte konfrontiert waren. Im weiten Sinne, so Ndakoze, sei auch der tragische Völkermord eine kulturelle Lehre für das Land gewesen. Diese schmerzhafte Erfahrung sei maßgeblich entscheidend für den starken Willen der Ruanderinnen und Ruander die Vergangenheit nie wieder zu wiederholen.

Unter dem Motto „Technology for Change“ wurden des Weiteren Vorträge von Fabian-Carlos Guhl (Ampion Founder Bus Africa), Sangwa Rwabuhihi (Hino Designs) und von Teilnehmenden der Ruanda Labs abgehalten.

Die Veranstaltung fand ihren Abschluss mit einem Schlusswort der Vorsitzenden von Ruanda Connection, Elisabeth Kaneza. Sie dankte der Schirmherrin, Botschafterin Nkulikiyinka, dem Kooperationspartner Engagement Global sowie dem gesamten Team der Ruanda Connection. Abschließend sagte sie, dass interkultureller Dialog wichtig sei, um Vorurteile abzubauen und den gegenseitigen Austausch zu ermöglichen, um voneinander zu lernen. Nur so können wir als die eine Welt zusammenwachsen, so Kaneza.